Programm 2023

Alle Sinne durften jubeln: Das war das filmfestival im waldhüttl 2023

Trailer filmfestival im waldhüttl, von Laura Schröder [vielen Dank!]

Kann es gut gehen ein noch unbekanntes Filmfestival am Rande der Stadt – oberhalb von Mentlberg – durchzuführen, und das zeitgleich mit dem Bogenfest? Na und ob das gut gehen kann! Das Resümee von Matthias Windischer, dem Initiator des filmfestivals im waldhüttl (fiwa), das vom 19. Bis 21. Mai stattfand, und seinem Organisationsteam ist durchwegs positiv.

Ebenso verhält es sich mit dem Feedback der Gäste. Sie erfreuten sich an einer ganz besonderen Atmosphäre, die entstehen konnte, weil das Waldhüttl als freier, herzlicher und nicht konsumorientierter Ort zahlreiche Menschen unterschiedlichster Herkunft, Glaubensrichtung, Weltanschauung und politischer sowie sozioökonomischer Hintergründe zu sich eingeladen hatten. Und ein jeder, und eine jede konnte ganz sie selbst sein. Auf dieser Basis fand ein Kennenlernen der Gäste und der Bewohner:innen des Waldhüttls statt, ohne deren Mithilfe das fiwa nicht hätte stattfinden könnten. Sie öffneten ihr Zuhause, bekochten die Besucher:innen, übersetzten von Deutschen ins Rumänische, musizierten, luden zum Tanz und packten wo auch immer kräftig mit an.

Einen Einblick in die Lebensrealitäten der Waldhüttl-Bewohner:innen gewährte der am Freitag gezeigte Filmteaser „Vinzenzgemeinschaft WALDHÜTTL – Ein zweites Zuhause“ von Bert Walser, der als Einreicher des Eröffnungsfilms als erster Preisträger des Filmfestivals ausgezeichnet wurde.

Der Film wird drei Wochen später in voller Länge beim Internationalen Filmfestivals Innsbruck IFFI gezeigt.Protagonisten sind viele Gesichter, die im Waldhüttl bekannt sind und bewegende Geschichten zu erzählen haben.

Ein weiteres Film-Highlight war „In Limbo“, eine deutsch-türkische Produktion des Regisseurs Tutku Efe, der Fluchtgeschichten aufzeigt. Während über die Leinwand in der Kino-Scheune Bilder von fliehenden Menschen, die an der Grenze von Wasserwerfern beschossen werden, flimmerten, fielen laute und mächtige Regentropfen auf das Scheunendach und machten die Filmvorführung zu einem umso beeindruckenderen Erlebnis mit Gänsehaut-Faktor.

Besonders gut besucht war zudem der tschechoslowakische Klassiker „Ružové sny/ Rosy Dreams“ aus dem Jahr 1976, den die Waldhüttl-Bewohner:innen ausgesucht hatten und der die Filmfans zum Schmunzeln brachte.

Mit „Bis zum letzten Tropfen“ ließ Regisseur Harry Putz die Wellen in der Kultur- und Kinoscheune hochschlagen. Er inspirierte die Gäste sich gegen den Ausbau des Kaunertal-Kraftwerks einzusetzen und durfte dank seines beispielhaften Engagements mit einem liebevoll hergerichteten Blumen-Preisträger-Dank nach Hause gehen.

Weitere anwesende Preisträger:innen waren Rebecca Weinberger für ihren Kurzfilm „Cake“, Otto Licha mit „Stadtrand“ und das Street Motion Studio/ Kreativ Fabrik Innsbruck, die sowohl ihren Film „Jazz meets Street- The Movie“ präsentierten als auch einen Tanz-Workshop für Kinder abhielten.

Nicht nur das Auge bekam einiges geboten. Auch der Gaumen erfreute sich an Deftigem aus der Roma-Küche und an der selbst zu bestückenden Pizza aus dem Lehmofen. Gemeinsam wurde im Garten gesessen und Esel, Schafe, Bienen, Hühner und Hasen bestaunt.

Wem mehr nach Diskussion zu Mute war, der konnte sich ins Tipi begeben, wo sich die Initiative Minderheiten und Jussuf Windischer, Begründer und selbst ernannter Hausmeister des Waldhüttls, mit Bewohner:innen und Tiroler:innen über die Unmöglichkeiten des Wohnungsmarkts austauschten. Es wurden traurige, schockierende, belustigende und Augen öffnende Wohngeschichten ausgetauscht.

So stand das Filmfestival-Wochenende auch im Zeichen von politischem Aktivismus. Da kam die Ausstellungseröffnung „15 Jahre politischer Aktivismus“ des kürzlich verstorbenen Innsbrucker Fotografen Christian Niederwolfsgruber – Niewo – gerade recht. In diesem Rahmen fand außerdem ein kurzes Gedenken bei der Friedenskapelle und die Einweihung des „Niewo-Platzls“ als Ort für Austausch und Haltung statt.

Und zu guter Letzt gabs auch noch was auf die Ohren: Bei der Internationalen Jamsession wurde ordentlich das Tanzbein geschwungen, gesungen, gelacht und das Leben gefeiert.

Das Filmfestival wurde vom Radiosender Freirad Innsbruck begleitet. Vielen Dank an Hemma, Nico, Agnes und Anna für die Moderation und Interviews.
Live-Radiobeitrag zum Nachhören

Das Organisationsteam des fiwa bedankt sich bei den Waldhüttl-Bewohner:innen, bei allen Kooperationspartner:innen, Gästen und Spender:innen. Die Spenden kommen den Bewohner:innen zugute, die sich damit einen gemeinsamen Ausflug an den Achensee finanzieren wollen.

Wir freuen uns auf das filmfestival im waldhüttl 2024, am 24./ 25.Mai 2024!

Programmfolder 2023